Resilienz und Ressourcenaufbau in der Psychotherapie
Resilienz und Ressourcenorientierung gehören zu den zentralen Konzepten der Psychotherapie. In der therapeutischen Praxis stellt sich konkrete Ressourcenarbeit jedoch oft als schwieriger als erwartet dar – insbesondere dann, wenn PatientInnen über wenig Selbstwirksamkeit, eingeschränkte Selbstregulation, geringe Affekttoleranz oder Schwierigkeiten in der Beziehungsgestaltung verfügen.
Inhaltlicher Aufbau
Grundlagen: was ist Resilienz, was sind Ressourcen konkret, betrachtet auf drei Ebenen:
- Intrapersonell (Introspektions- und Reflexionsfähigkeit, Selbstwirksamkeit, Selbstregulation, Affekttoleranz, Selbstmitgefühl, Situationsadaptivität)
- Interpersonell (soziale Unterstützung, Hilfe annehmen, Bedürfnisse und Grenzen kommunizieren, soziale Selbstwirksamkeit, Theory of Mind, Kommunikation und Konfliktfähigkeit, therapeutische Beziehung)
- Handlungskompetenzen (Problemlösen, Entscheidungen treffen, Emotionen regulieren, Stress bewältigen)
Ressourcen analysieren
- Vorhandene, nicht verfügbare und fehlende Ressourcen erfassen und deren therapeutische Bedeutung einordnen.
- Störungsspezifische Aspekte kennen und nutzen – es geht nicht um schematische Zuordnungen („Diagnose = fehlende Ressource“), sondern um die Fragewelche Ressourcen bei unterschiedlichen psychischen Störungsbildern und Persönlichkeitsmustern häufig eingeschränkt oder unter Belastung weniger verfügbar sind und welche Kompetenzen therapeutisch entwickelt werden können.
Ressourcen gezielt innerhalb der therapeutischen Beziehung aufbauen
- Grundlage ist die Annahme, dass manche Ressourcen / Fähigkeiten in sicherem Rahmen erlebt, geübt und internalisiert werden müssen, und dass die therapeutische Beziehung der ideale Rahmen für diese Entwicklung ist.
- Bezogen auf die verschiedenen Ressourcen wird beispielhaft der Weg von der Co-Regulation über die gemeinsamen Regulation zur eigenständigen Selbstregulation erarbeitet / vorgestellt.
Methodik
Das Seminar ist praxis- und erfahrungsorientiert und beinhaltet kurze theoretische Inputs, Fallvignetten, Kleingruppenarbeit, ev. Rollenspiele, praktische therapeutische Übungen, Reflexion und Diskussion sowie Transfer in die eigene psychotherapeutische Praxis.
Lernziele
Die Studierenden können die Ressourcensituation differenziert erfassen, verstehen und in ihrer therapeutischen Bedeutung einordnen.
Sie können Ressourcenaufbau innerhalb des Fallkonzepts planen, kennen konkrete ressourcenorientierte Interventionen und können die therapeutische Beziehung als Entwicklungsraum nutzen.
Sie unterstützen PatientInnen dabei, aus anfänglicher Unterstützung zunehmend eigene Selbstwirksamkeit und Handlungskompetenz zu entwickeln.